1.1 Bildungswert der modernen Fremdsprachen
In einer modernen und globalisierten Welt, die von Mehrsprachigkeit und kultureller Vielfalt geprägt ist, stellen Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Handlungsfähigkeit eine wichtige Grundlage für die gesellschaftliche Teilhabe dar. Sie befähigen Lernende, sich in interkulturellen Kontexten angemessen zu bewegen und als kulturelle Mittlerinnen und Mittler zu agieren. Indem Schülerinnen und Schüler ihre plurilinguale Sprachbiografie (zum Beispiel Herkunftssprache(n), bereits erlernte Sprache(n), Dialekte Register) reflektieren und sich mit sprachlicher und kultureller Vielfalt auseinandersetzen, erwerben sie interkulturelle Handlungskompetenz. Diese versetzt sie in die Lage, mit Individuen und Gruppen unterschiedlicher Kulturen angemessen und respektvoll zu interagieren. Die Begegnung mit einer anderen Sprache konfrontiert die Lernenden mit einer neuen, ihnen zunächst ungewohnten sprachlichen Ordnung der Welt. Durch eine reflektierte Auseinandersetzung mit Weltsichten, Werten und Identitäten im Fremdsprachenunterricht lernen Schülerinnen und Schüler diese neue Ordnung als weitere mögliche Interpretation von Welt kennen und respektieren. Damit unterstützt der Fremdsprachenunterricht in besonderem Maße die Entwicklung von Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt sowie von demokratischen Haltungen und trägt zu einem friedlichen Zusammenleben in der Welt bei. In einer international geprägten Wirtschafts-, Arbeits- und Lebenswelt stellen Fremdsprachenkenntnisse außerdem eine wichtige Voraussetzung dar, um angemessen global zu agieren.
Ziel eines modernen Fremdsprachenunterrichts ist es deshalb, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich in der Fremdsprache sicher zu bewegen und sich dabei zunehmend flüssig und differenziert auszudrücken. Fremdsprachen zu lernen heißt, in neue Welten einzutauchen und diese immer besser zu verstehen. Sie ermöglichen es den Lernenden, sich bislang unbekannter Denkmuster und Handlungsweisen bewusst zu werden (cultural awareness) und diese mit den eigenen zu vergleichen. Die Schülerinnen und Schüler können so deren kulturelle und gegebenenfalls auch historische Bedingtheit verstehen, Verständnis und Respekt für unterschiedlich kulturell geprägte Perspektiven entwickeln und Missverständnisse vermeiden.
Soziokulturelles Wissen im Zusammenspiel mit interkultureller und funktionaler kommunikativer Kompetenz versetzt die Schülerinnen und Schüler in die Lage, künftig Auslandsaufenthalte und internationale Begegnungen im Rahmen von Ausbildung, Studium und Beruf sowie im Privatleben gezielt und informiert in die Wege zu leiten und erfolgreich zu bewältigen.
Der Vergleich sprachlicher Strukturmuster fördert das Verständnis von Sprache als System. Darüber hinaus unterstützt der Fremdsprachenunterricht die Fähigkeit, auf der Basis von Erlerntem Neues zu erschließen. Somit fördert er das Erlernen weiterer Fremdsprachen im Sinne der Erweiterung der plurilingualen Kompetenz und des lebenslangen Fremdsprachenlernens. Nachdenken über Sprache schult die Fähigkeit, Handlungsweisen, komplexere Sachverhalte, theoretische Erkenntnisse, Denkmuster und Wertvorstellungen zu durchdringen und in einen interkulturellen Zusammenhang zu stellen.
1.2 Kompetenzen
In den vorliegenden Bildungsplänen für die modernen Fremdsprachen ist die Ausbildung der interkulturellen kommunikativen Kompetenz das übergeordnete Ziel des Fremdsprachenlernens. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER, 2001) und sein Begleitband (2020) sehen in dieser interkulturellen Handlungsfähigkeit in unterschiedlichen Sprachen den Kern ihres Mehrsprachigkeitskonzepts. Der GER definiert für alle Sprachen gültige Kriterien und Niveaus, nach denen die Sprachbeherrschung von Lernenden eingestuft werden kann. Der Kompetenzaufbau über die verschiedenen Klassen richtet sich in den vorliegenden Bildungsplänen für die modernen Fremdsprachen daran aus. Die in den Bildungsplänen beschriebenen Kompetenzen orientieren sich an den „Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (Englisch/Französisch) für die Allgemeine Hochschulreife“ der Kultusministerkonferenz (KMK, 2012) und bilden die „Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den Ersten Schulabschluss und den Mittleren Schulabschluss“ (KMK, 2023) ab, die zu einer Vereinheitlichung der Anforderungen über die Bundesländergrenzen hinweg führen sollen.
Das Schaubild verdeutlicht, dass die Kompetenzen, wie sie nacheinander in den vorliegenden Bildungsplänen aufgeführt sind, keine isoliert zu beherrschenden Einzelfertigkeiten sind, sondern vielmehr ineinandergreifen. Sowohl die prozessbezogenen Kompetenzen als auch die inhaltsbezogenen Kompetenzen stehen im Dienst der interkulturellen kommunikativen Kompetenz.
Als prozessbezogene Kompetenzen werden Sprachbewusstheit, Sprachlernkompetenz und die fremdsprachenspezifische digitale Kompetenz ausgewiesen: Zum einen unterstützt die Fähigkeit, eine Sprache – auch die Herkunftssprache(n) – bewusst zu rezipieren und zu verwenden, den Spracherwerbsprozess. Die Schülerinnen und Schüler müssen zum anderen in ihrer Sprachlernkompetenz langfristig gefördert werden, um das eigene Sprachenlernen zielgerichtet zu steuern. Dieser Prozess beginnt bereits im Fremdsprachenunterricht der Grundschule. Die Lernenden sollen Strategien und Methoden erwerben, die sie dazu befähigen, ihr Lernen selbstständig zu organisieren und nach Ende ihrer Schulzeit im Sinne des lebenslangen Lernens weitere Fremdsprachen im außerschulischen Umfeld zu erlernen. Eine Voraussetzung dafür besteht darin, dass sie in ihrer Schullaufbahn allmählich Eigenverantwortung für ihren Lernprozess und -zuwachs übernehmen. Im Zuge der digitalen Transformation haben spezifische Kompetenzen wie Kollaboration, Kreativität, kritisches Denken und Kommunikation an Bedeutung gewonnen. Sie erfordern eine Schulung der Lernenden im Umgang mit digitaler Kommunikation in der Fremdsprache und mit digitalen Hilfsmitteln zur Unterstützung von Sprachlernprozessen. Diese prozessbezogene fremdsprachenspezifische digitale Kompetenz wird im Fremdsprachenunterricht gefördert.
Prozessbezogene Kompetenzen können nicht von den inhaltsbezogenen Kompetenzen losgelöst erworben werden, sie sind nicht gestuft und werden nicht unmittelbar geprüft. Der ausgewiesene Stand stellt die Zielstufe dar, die das beim Abschluss der Kursstufe zu erreichende Niveau beschreibt.
Die inhaltsbezogenen Kompetenzen umfassen die als zentrales Ziel ausgewiesene interkulturelle kommunikative Kompetenz, die funktionale kommunikative Kompetenz und schließlich die Text- und Medienkompetenz. Voraussetzung für einen gelingenden Kompetenzaufbau ist, dass die Schülerinnen und Schüler in einem aufgabenorientierten Unterricht angemessene sprachliche Mittel erwerben, indem sie diese wahrnehmen, in der Anwendung einüben und reflektieren. Dabei sollen lexikogrammatische Einheiten eine zentrale Rolle spielen. Für die Realisierung der kommunikativen Kompetenzen haben die sprachlichen Mittel dienende Funktion.
Die Text- und Medienkompetenz verlangt den Schülerinnen und Schülern einen komplexeren Umgang mit Texten ab, der über die reine Textrezeption hinausgeht. Sie erfordert, dass Schülerinnen und Schüler Texte zunehmend tiefer durchdringen und sich produktiv mit ihnen auseinandersetzen. Die Lernenden sollen die Fähigkeit erwerben, Texte zu strukturieren und zu analysieren, sie zu reflektieren und zu bewerten beziehungsweise neu zu gestalten. In den Bildungsplänen der modernen Fremdsprachen wird von einem erweiterten Textbegriff ausgegangen. Als Texte werden demnach alle mündlichen, visuellen und multimodalen Produkte in ihrem jeweiligen kulturellen und medialen Kontext verstanden, die analog oder digital vermittelt werden. Von entscheidender Bedeutung für den gymnasialen Fremdsprachenunterricht ist die Auseinandersetzung mit kulturell geprägten Deutungsmustern. Aus diesem Grund hat die Beschäftigung mit literarischen Texten von Autorinnen und Autoren mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund dort einen besonderen Stellenwert.
In interkulturellen Kommunikationssituationen kommt der Mediation als integrativer Kompetenz eine wichtige Bedeutung zu: Über die Sprachmittlung zwischen verschiedenen Sprachen hinaus beinhaltet das Konzept der Mediation auch eine soziokulturelle Komponente. Das heißt, Mediationssituationen können sich nicht nur zwischen zwei Sprachen, sondern auch innerhalb einer Sprache (zum Beispiel zwischen Varietäten oder in Form einer Vereinfachung) ergeben.
Jeweils zu Beginn der inhaltsbezogenen Kompetenzen werden im Bildungsplan Themen genannt, denn die Schülerinnen und Schüler erwerben die ausgewiesenen Kompetenzen nicht losgelöst von soziokulturellem Wissen. Dies geschieht vielmehr in der ständigen Begegnung und Auseinandersetzung mit Themen, die in ihrer Progression zunehmend gesellschaftsorientiert werden und ein vertieftes kulturelles Verständnis zum Ziel haben.
Methodisch-strategische Teilkompetenzen sind den funktionalen kommunikativen Kompetenzen zugeordnet. Sie sind jeweils am Ende einer Kompetenz aufgeführt und durch eine Zwischenüberschrift kenntlich gemacht. Verweise auf Teilkompetenzen anderer Bereiche der Fremdsprachenpläne zeigen, welche Teilkompetenzen Grundlage oder sinnvolle Erweiterungsmöglichkeiten darstellen. Mit den vorliegenden Verweisen wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben; sie sind nicht grundsätzlich verbindlich, sondern sollen zum Querlesen einladen.
Um den Lernstand, den die Schülerinnen und Schüler laut Bildungsplan aus den vorherigen in die nachfolgenden Klassen mitbringen sollen, besser nachvollziehen zu können, hat die jeweilige Teilkompetenz über alle Klassen hinweg die gleiche Nummerierung. Die Progression der einzelnen (Teil-)Kompetenzen wird so erkennbar. Mitunter wird eine Teilkompetenz ab einer bestimmten Klasse nicht mehr fortgeführt beziehungsweise sie setzt später ein. In diesen Fällen erfolgt ein konkreter Hinweis in der jeweiligen Zeile. Die Teilkompetenzen werden anhand von Operatoren beschrieben, deren jeweilige Bedeutung in der Liste im Anhang der Pläne definiert ist. Die definierten handlungsleitenden Verben dienen dazu, sämtliche sprachliche Operationen, die im Laufe des Erwerbs aller kommunikativen Kompetenzen erlernt werden, trennscharf zu erfassen. Es handelt sich dabei nicht um die fremdsprachlichen Prüfungsoperatoren.
1.3 Bildungswert des Faches Portugiesisch
Um die 250 Millionen Menschen sprechen weltweit die portugiesische Sprache, 10 Millionen davon in Portugal, 200 Millionen in Brasilien. Weiterhin ist Portugiesisch Amtssprache in Angola, Mosambik, Guinea-Bissau, den Kapverdischen Inseln und São Tomé e Príncipe sowie kooffizielle Amtssprache in Macau, Äquatorialguinea und in Ost-Timor. In den Staaten Afrikas wächst die Zahl der Sprecherinnen und Sprecher kontinuierlich und auch die wirtschaftliche Bedeutung aufstrebender Nationen wie Angola, Mosambik und Brasilien nimmt zu.
Im Zuge der Globalisierung nimmt die portugiesische Sprache eine wichtige Mittlerfunktion ein, da sie einen Austausch in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht zwischen sehr unterschiedlichen Ländern auf vier Kontinenten ermöglicht. Innerhalb der EU, zu der Portugal seit 1986 gehört, eröffnet Portugiesisch den Zugang zu weiteren romanischen Sprachen wie das eng mit dem Portugiesischen verwandte Galicische, die iberoromanischen Sprachen Spanisch (Kastilisch) und Katalanisch sowie Französisch, Italienisch, Rumänisch und Rätoromanisch und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur bildungspolitisch angestrebten Mehrsprachigkeit.
1.3.1 Beitrag des Faches zu den Leitperspektiven und zur Demokratiebildung
In welcher Weise das Fach Portugiesisch einen Beitrag zu den Leitperspektiven und zur Demokratiebildung leistet, wird im Folgenden dargestellt:
- Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Der Portugiesischunterricht hilft den Schülerinnen und Schülern, ein Verständnis für einen nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln. Die Auseinandersetzung mit Themen wie der Umgang mit Ressourcen – zum Beispiel bei der Abholzung des Regenwaldes –, der Verteilung und problematischen Nutzung der Bodenschätze in Angola und Brasilien oder den Auswirkungen der Globalisierung auf Schwellenländer führt die Schülerinnen und Schüler dazu, verantwortungsbewusster zu agieren und auch zu konsumieren. An Ländern wie Angola und Mosambik, die lange unter Bürgerkriegen gelitten haben, wird gezeigt, wie wichtig auch die Sicherung des Friedens für eine nachhaltige Entwicklung ist. - Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV)
Durch die Beschäftigung mit der portugiesischen Sprache, den Lebenswirklichkeiten in einzelnen
lusophonen Staaten, deren Geschichte, Geographie, Wirtschaft, Politik und Kultur
werden die Schülerinnen und Schüler für fremde Lebensweisen sensibilisiert. Eigene Wertvorstellungen können mit denen anderer verglichen, Haltungen reflektiert und relativiert werden. Das Fach Portugiesisch trägt damit zur Entwicklung von Empathiefähigkeit und Toleranz sowie zur Akzeptanz von Vielfalt bei. - Prävention und Gesundheitsförderung (PG)
Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen, über sich und seine Umwelt nachzudenken und etwaige Fehlentwicklungen zu erkennen, führt zu einer guten Selbstwahrnehmung, welche wesentlich ist, um eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln. An Unterrichtsthemen, die an die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler anknüpfen, wie zum Beispiel die Lebensgewohnheiten junger Menschen in Portugal und anderen lusophonen Ländern, Ernährung, Schule oder Freundschaften, werden Probleme verdeutlicht und mögliche Auswege aufgezeigt. Der Fremdsprachenunterricht vermittelt den Schülerinnen und Schülern Strategien und Methoden, die ihnen effektives und zielgerichtetes Lernen bewusst macht. Dadurch werden sie befähigt, Lernprozesse selbstständig zu steuern, in Kommunikationssituationen souverän zu agieren und sich allgemein selbstregulierender zu verhalten. - Berufliche Orientierung (BO)
Viele im Portugiesischunterricht vermittelte Kompetenzen können die Schülerinnen und Schüler im modernen Europa der offenen Grenzen und über Europa hinaus auch für ihre berufliche Zukunft verwenden. Das Verfassen eines Lebenslaufs, eines Bewerbungsschreibens oder das Simulieren von Vorstellungsgesprächen fördert ihre Fähigkeiten, sich später auf dem globalen Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Der Erwerb interkultureller Handlungsfähigkeit ist den Schülerinnen und Schülern im lusophonen Sprachraum wie auch weltweit von Nutzen und kann ebenfalls ihre Zukunftschancen in der Arbeitswelt erhöhen. Bei der Beschäftigung mit Themen wie zum Beispiel der Arbeitsmarktsituation in Portugal, den Klassenunterschieden in Brasilien oder den Perspektiven bestimmter Berufsfelder in Angola und Mosambik werden die Schülerinnen und Schüler auch für die Probleme einer von der Globalisierung beeinträchtigten Welt sensibilisiert. - Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt (LDW)
Digitalisierungsprozesse und technologische Innovationen sind heute tiefgreifender Bestandteil des gesellschaftlichen und individuellen Alltags. Sie verändern nachhaltig, wie Menschen kommunizieren, lernen, arbeiten und sich in der Welt orientieren. Die Schule hat daher auch die Aufgabe, Lernende auf eine selbstbestimmte und kritisch reflektierte Mitgestaltung einer immer stärker digital geprägten Gesellschaft vorzubereiten sowie digitale Medien für ihre Lernprozesse bewusst auszuwählen und selbstständig zu nutzen. In diesem Aufgabenfeld ist es das Ziel, junge Menschen zu digitaler Resilienz und aktiver Teilhabe zu befähigen, damit sie technologische Entwicklungen verstehen, reflektieren und im Sinne einer demokratischen Gesellschaft mitgestalten können. Grundlegende sprachliche Kompetenzen sind dabei Voraussetzung für das Erlernen digitaler und zukünftiger Schlüsselkompetenzen. Gleichzeitig bietet die Kultur der Digitalität neue Potenziale für den Erwerb eben dieser Basiskompetenzen und eröffnet innovative Zugänge zu fachlichem Lernen und individueller Förderung. - Verbraucherbildung (VB)
Bei der Auseinandersetzung mit Zielen und Wirkungsweisen von Werbung im Portugiesischunterricht sowie durch die Beschäftigung mit den Produktionsbedingungen von Konsumgütern, den schwierigen Arbeitsbedingungen auf den Obstplantagen im Nordosten Brasiliens oder in den Bergwerken Angolas erwerben die Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Konsumverhalten. Auch durch die Begegnung mit landesspezifischen Alltags-, Ess- und Konsumkulturen in lusophonen Ländern können die Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen hin zu einem kritischen Konsumenten erweitern. - Demokratiebildung (D)
Der Fremdsprachenunterricht bietet eine besondere Chance zur Förderung der Demokratiebildung. Im Fach Portugiesisch hat die altersgerechte Auseinandersetzung mit lusophonen Kulturen das Ziel, die Bereitschaft zum interkulturellen Dialog aufzubauen. Dabei erhalten Schülerinnen und Schüler Zugang zu grundlegenden Kenntnissen über gesellschaftlich-politische Aspekte (zum Beispiel Diversität, Menschenrechte, Beteiligung der indigenen Bevölkerung) sowie geschichtliche und aktuelle Ereignisse in lusophonen Ländern. Sprachliche Kompetenzen unterstützen das Erlernen einer respektvollen Gesprächskultur, die für konstruktive Diskussionen und Kompromisse unerlässlich ist. Darüber hinaus sensibilisiert die Beschäftigung mit zielsprachigen Texten für unterschiedliche Meinungen und Lebenskonzepte. Praktische Umsetzungsmöglichkeiten wie Diskussionen und Debatten zu aktuellen und altersgerechten Themen (zum Beispiel Engagement, soziale Medien, Migration) oder die Teilnahme an internationalen Austauschen oder Projekten (wie zum Beispiel e-Twinning oder Erasmus+) stärken die Verantwortung und die Partizipation junger Menschen in einer globalisierten Welt.
1.3.2 Portugiesisch als spät beginnende Fremdsprache – Wahlfach in der Oberstufe
Portugiesisch als spät beginnende Fremdsprache eröffnet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die in anderen Fremdsprachen erworbenen Sprachlernkompetenzen weiterzuentwickeln. Am Ende der gymnasialen Oberstufe erreichen die Schülerinnen und Schüler in Portugiesisch als spät beginnende Fremdsprache das GER-Niveau B1, sofern sie den Unterricht in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils mindestens zweistündig besucht haben.
1.4 Didaktische Hinweise
Beim Einstieg in die spät beginnende Fremdsprache verfügen die Schülerinnen und Schüler bereits über mehrjährige Erfahrungen im Erlernen einer Fremdsprache, wodurch der Erwerb der spät beginnenden Fremdsprache vereinfacht und beschleunigt wird. Gemeinsamkeiten des Portugiesischen mit Latein oder anderen romanischen Sprachen wie Französisch, welche die meisten Schülerinnen und Schüler bereits zu lernen begonnen haben, erleichtern den Lernprozess.
Der Sprachlernkompetenz im Sinne einer Befähigung zum selbstständigen Sprachenlernen wird im Portugiesischunterricht von Anfang an besondere Aufmerksamkeit gewidmet, zum Beispiel durch regelmäßige vergleichende Betrachtungen einzelner grammatikalischer Strukturen oder Wortfelder aus dem Portugiesischen und einer anderen bereits gelernten Fremdsprache. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln dabei sowohl Sprachbewusstheit als auch Sprachlernkompetenz und ihre individuellen Mehrsprachigkeitsprofile.
Im Laufe des mehrjährigen Spracherwerbs begegnen die Schülerinnen und Schüler in der Regel mehreren Varietäten des Portugiesischen, sei es über Medien, durch Lehrerwechsel, durch Mitschülerinnen und Mitschüler mit muttersprachlichen Kenntnissen, oder auch bei Austauschen in ein Land, dessen Varietät nicht Unterrichtssprache ist. Erfahrungen haben gezeigt, dass dies dem Lernprozess nicht hinderlich, sondern vielmehr förderlich ist. In der Unterrichtssituation spricht die Lehrperson die von ihr erlernte Varietät, wobei sie andere Varietäten bei den Schülerinnen und Schülern mit Vorkenntnissen akzeptiert und gegebenenfalls auf Unterschiede hinweist. Schülerinnen und Schüler mit muttersprachlichen Kenntnissen erfordern eventuell von der Lehrkraft spezielle integrative und binnendifferenzierende Maßnahmen, bereichern den Unterricht aber auch in besonderem Maße, weil sie Authentizität in das Klassenzimmer bringen.
1.4.1 Aufbau der rezeptiven und produktiven kommunikativen Kompetenzen
Schulisches Fremdsprachenlernen erfordert eine konsequente, systematische und nachhaltige Schulung sowie eine beständige Erweiterung der einzelnen (Teil-)Kompetenzen. Neben dem mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen und einer damit einhergehenden stetig vertiefenden und vernetzenden Erweiterung der lexikalisch-grammatischen Kompetenzen kommt auch der Schulung des Hör-/Hörsehverstehens eine zentrale Bedeutung zu. Die rezeptive Kompetenz des Hör-/Hörsehverstehens ist in der internationalisierten Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler wichtig, weil sie ein Grundstein zur Bewältigung von realen, alltäglichen Gesprächssituationen ist und weil sie den Umgang mit verschiedenen lusophonen Medien unserer digital geprägten Umwelt erlaubt. Neben den kommunikativen Kompetenzen werden hierbei auch Sozialkompetenzen geschult sowie die Wahrnehmung von Plurikulturalität.
Die Förderung des Leseverstehens ist vom ersten Lernjahr an nötig. Daher ist darauf zu achten, bereits von Beginn an auch authentische Texte einzusetzen. Die Kompetenz des Leseverstehens lässt sich in besonderem Maße an längeren Texten aufbauen. Deshalb wird die Lektüre einer authentischen oder didaktisierten Ganzschrift im vorliegenden Bildungsplan je nach Klasse empfohlen.
Was die produktiven Kompetenzen betrifft, so ist die mündliche Sprachkompetenz ebenso von Anfang an intensiv zu fördern wie die schriftliche Ausdrucksfähigkeit. Rezeptive und produktive Kompetenzen verbinden sich im Bereich der Mediation, welche die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, in plurikulturellen Situationen Verständigung zu ermöglichen. Um sowohl rezeptive als auch produktive Kompetenzen individualisierend und binnendifferenzierend zu fördern, spielen Strategien und Methoden eine besondere Rolle, die durch den Einsatz von analogen und auch digitalen Hilfsmitteln unterstützt werden.
Damit die Schülerinnen und Schüler kommunikativ handlungsfähig werden, müssen die (Teil-)Kompetenzen zusammengeführt werden. Der methodische Ansatz der Aufgabenorientierung wird der Komplexität der kommunikativen Handlungsfähigkeit in hohem Maße gerecht. In der Bewältigung einer lebensweltlich relevanten Zielaufgabe zeigen die Schülerinnen und Schüler, dass sie die unterschiedlichen (Teil-)Kompetenzen in realitätsnahen Kommunikationssituationen anwenden können. Dazu gehören auch analytische und gestaltende Aufgabenformen.
Die in den Leitgedanken zum Kompetenzerwerb in den modernen Fremdsprachen dargelegten Hinweise zu den Kompetenzen gelten auch für das Fach Portugiesisch und sind dort nachzulesen.
1.4.2 Sprachliche Mittel
Bereits im frühen Spracherwerb stehen Lexik und Grammatik in einem engen Zusammenhang. Häufig vorkommende lexikalische Einheiten mit bestimmten grammatischen Markierungen werden laut dem lexikogrammatischen Ansatz schneller korrekt produziert, wenn sie als ganze gelernt werden. Im Anfangsunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler daher einen Grundstock hochfrequenter ein- und mehrgliedriger Einheiten erwerben, die es ihnen ermöglichen, einfache Kommunikationssituationen des Alltags zu bewältigen. Diese Basis wird im weiteren Verlauf des Unterrichts thematisch ergänzt und differenziert, sodass die Schülerinnen und Schüler mit Erreichen des Niveaus B1 über ein breites Repertoire auch weniger frequenter Redemittel verfügen, das es ihnen erlaubt, relativ spontane mündliche und schriftliche Beiträge zu ihnen vertrauten Themen zu formulieren. Die mehrgliedrigen lexikalischen Einheiten werden im Anfangsunterricht kommunikativ und zunehmend bewusst genutzt. Der Aufbau expliziter grammatischer Kenntnisse erfolgt behutsam und nach Möglichkeit unter Rückgriff auf bereits eingeführte lexikogrammatische Einheiten, welche die Funktion von Prototypen erhalten.
Damit die Relevanz von lexikogrammatischen Einheiten ersichtlich wird, müssen Schülerinnen und Schüler sich immer wieder und bewusst mit den zu erwerbenden Einheiten und Strukturen auseinandersetzen. Es ist wichtig, dass dem – in der Regel kommunikativ orientierten – Üben genügend Raum gegeben wird. Neues muss spiralcurricular an die Vorkenntnisse angebunden werden. Der Bildungsplan wird dem insofern gerecht, als komplexere frequente Strukturen (zum Beispiel Auslöser + Konjunktiv wie "Espero que estejas bem.") zunächst rezeptiv erworben und gegebenenfalls lexikalisch als Chunk produziert werden. Auch wenn Schülerinnen und Schüler die genannten Strukturen noch nicht aktiv beherrschen müssen, sind sie verbindlich zu vermitteln. Für die Unterrichtsebene hat dies zur Konsequenz, dass manche Phänomene verstärkt inputorientiert geübt werden, damit sie im Bereich der rezeptiven Kompetenzen verfügbar sind und gegebenenfalls als Chunk produziert werden.
Darüber hinaus ist die Reflexion über grammatische Strukturen als wichtiger Baustein für die Entwicklung der Sprachbewusstheit und Sprachlernkompetenz anzusehen.
1.4.3 Authentizität
Authentizität spielt grundsätzlich eine wichtige Rolle beim Erlernen der Fremdsprache. Im Unterricht sollten die Schülerinnen und Schüler schon früh an nicht didaktisierte fremdsprachliche Texte, auch medial vermittelt, herangeführt werden. Durch geeignete Maßnahmen sollte die Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler gefördert werden, zum Beispiel durch ein Leseprojekt zum extensiven Lesen oder die Lektüre einer Ganzschrift in jeder Klasse.
Regelmäßig angebotene Projekte außerhalb des Unterrichtsraumes, wie zum Beispiel das gemeinsame Zubereiten von landestypischen Gerichten, das Erleben eines Konzerts lusophoner Künstlerinnen und Künstler oder der Besuch von Feierlichkeiten zu Jahrestagen, ermöglichen den Schülerinnen und Schülern ein „echtes“ Eintauchen in die fremde Sprache und Kultur. Eine besondere Motivation und Herausforderung im Lernprozess der Schülerinnen und Schüler stellen, wenn möglich, Auslandsfahrten dar, zum Beispiel im Rahmen eines Schüleraustauschs oder einer Studienfahrt. Hierbei wird den Jugendlichen ein authentisches Erleben der fremden Kultur in seiner ganzen Komplexität ermöglicht. Sie können ihre kommunikativen Kompetenzen und ihr soziokulturelles Wissen erweitern, wertvolle interkulturelle und persönliche Erfahrungen machen und durch die praktische Anwendung eine Stärkung ihrer Handlungsfähigkeit erfahren.
1.4.4 Unterrichtsprinzipien
Der Unterricht erfolgt nach dem Prinzip der funktionalen Einsprachigkeit und die Schülerinnen und Schüler nutzen die Fremdsprache als Unterrichtssprache im Umgang miteinander. Da das oberste Ziel des Fremdsprachenunterrichts die Kommunikationsfähigkeit ist, hat dies Auswirkungen auf den Umgang mit und die Einschätzung von Fehlern bei Schüleräußerungen. Äußern sich Schülerinnen und Schüler spontan mündlich, sollten ausgewählte Fehler behutsam korrigiert werden. In schriftlichen Äußerungen sind alle Fehler bewusst zu machen. Bei der Bewertung dürfen die Lernenden nicht am Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern gemessen werden, sondern an dem für die Klasse ausgewiesenen Lernstand. Das bedeutet, dass die Korrektheit nicht das ausschließliche Bewertungskriterium ist, sondern auch die Verständlichkeit und zunehmend die Flüssigkeit sowie das Ausdrucksvermögen zu berücksichtigen sind.