2.1 Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Bildung für nachhaltige Entwicklung befähigt Lernende, informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst zum Schutz der Umwelt, für eine funktionierende Wirtschaft und eine gerechte Weltgesellschaft für aktuelle und zukünftige Generationen zu handeln. Dies betrifft vor allem die Beachtung der natürlichen Grenzen der Belastbarkeit des Erdsystems sowie den Umgang mit wachsenden sozialen und globalen Ungerechtigkeiten. Dies erfordert verantwortungsvoll eingesetzte Kreativität, intelligente Lösungen und Weitsicht. Nachhaltige Entwicklung setzt Lernprozesse voraus, die den erforderlichen mentalen und kulturellen Wandel befördern. Neben dem Erwerb von Wissen über (nicht-) nachhaltige Entwicklungen geht es insbesondere um folgende Kernanliegen: Bereitschaft zum Engagement und zur Verantwortungsübernahme, Umgang mit Risiken und Unsicherheit, Einfühlungsvermögen in Lebenslagen anderer Menschen und solide Urteilsbildung in Zukunftsfragen.
Bildung für nachhaltige Entwicklung befähigt Schülerinnen und Schüler, als Konsumenten, im Beruf, durch zivilgesellschaftliches Engagement und politisches Handeln einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten zu können. Es geht daher nicht allein darum, auf die existenten Problemlagen reagieren zu können, sondern vor allem darum, vorausschauend mit Zukunft umzugehen sowie an innovativen Lebens- und Gesellschaftsentwürfen mitzuwirken, die einen zukunftsweisenden und verantwortlichen Übergang in eine nachhaltige Welt möglich machen.
2.2 Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV)
Der konstruktive Umgang mit Vielfalt stellt eine wichtige Kompetenz für die Menschen in einer zunehmend von Komplexität und Vielfalt geprägten modernen Gesellschaft dar. In der modernen Gesellschaft begegnen sich Menschen unterschiedlicher Staatsangehörigkeit, Nationalität, Ethnie, Religion oder Weltanschauung, unterschiedlichen Alters, psychischer, geistiger und physischer Disposition sowie geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung. Kennzeichnend sind Individualisierung und Pluralisierung von Lebensentwürfen.
Kernanliegen der Leitperspektive ist es, Respekt sowie die gegenseitige Achtung und Wertschätzung von Verschiedenheit zu fördern. Grundlagen sind die Menschenwürde, das christliche Menschenbild sowie die staatliche Verfassung mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie.
Schule als Ort von Toleranz und Weltoffenheit soll es jungen Menschen ermöglichen, die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren. Indem Schülerinnen und Schüler sich mit anderen Identitäten befassen, sich in diese hineinversetzen und sich mit diesen auseinandersetzen, schärfen sie ihr Bewusstsein für ihre eigene Identität. Dabei erfahren sie, dass Vielfalt gesellschaftliche Realität ist und die Identität anderer keine Bedrohung der eigenen Identität bedeutet.
Die Leitperspektive zielt auch auf die Fähigkeit der Gesellschaft zum interkulturellen und interreligiösen Dialog und zum dialogorientierten, friedlichen Umgang mit unterschiedlichen Positionen bzw. Konflikten in internationalen Zusammenhängen. Erziehung zum Umgang mit Vielfalt und zur Toleranz ist damit auch ein Beitrag zur Menschenrechts- und Friedensbildung und zur Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft.
2.3 Prävention und Gesundheitsförderung (PG)
Prävention und Gesundheitsförderung zielen auf die Förderung von Lebenskompetenzen und Stärkung von persönlichen Schutzfaktoren ab. Kinder und Jugendliche sollen dabei unterstützt werden, altersspezifische Entwicklungsaufgaben bewältigen zu können. Eine Voraussetzung dafür ist auf Seiten der Erwachsenen eine Haltung, die es Kindern und Jugendlichen ermöglicht, sich im täglichen Handeln als selbstwirksam zu erleben.
Zentrale Lern- und Handlungsfelder sind:
- Selbstregulation: Gedanken, Emotionen und Handlungen selbst regulieren;
- ressourcenorientiert denken und Probleme lösen;
- wertschätzend kommunizieren und handeln;
- lösungsorientiert Konflikte und Stress bewältigen;
- Kontakte und Beziehungen aufbauen und halten.
Die Selbstregulation spielt für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in diesen Lern- und Handlungsfeldern eine grundlegende Rolle. Problemsituationen sollen konstruktiv, kreativ, aber auch kritisch analysiert werden, Entscheidungen auf der Grundlage von Werten, Regeln und Normen getroffen sowie auf der Handlungsebene umgesetzt werden können. Die für eine nachhaltige Wirkung von Präventionsmaßnahmen notwendige Grundlage bildet dabei die Grundprävention. Sie hat eine unspezifische Ausrichtung und zielt auf die grundlegende Stärkung von Lebenskompetenzen sowie allgemein förderlicher Lern- und Lebensbedingungen. Die darauf aufbauende Primärprävention hat ergänzend eine themenspezifische Ausrichtung, indem bestimmte Themenfelder der Prävention in den Mittelpunkt der Förderung gestellt werden. Grund- und Primärprävention haben alle Kinder und Jugendlichen einer Lerngruppe im Blick und ergänzen einander.
2.4 Berufliche Orientierung (BO)
Berufliche Orientierung ist wesentlicher Bestandteil individueller Förderung und basiert auf festgestellten Kompetenzen, Potenzialen und Interessen der Schülerinnen und Schüler. Jugendliche werden dabei in die Lage versetzt, ihre Bildungs- und Erwerbsbiografie eigenverantwortlich zu gestalten und diesen Prozess beispielsweise in einem Portfolio zu dokumentieren. Selbstbestimmung, kritische Urteilsbildung, Mitbestimmung, Solidarität sowie Wertschätzung von Vielfalt spielen hier eine wichtige Rolle.
Integration und Koordination der Inhalte und Maßnahmen von Ausbildungs- und Studienorientierung erfolgen jeweils an der einzelnen Schule im Rahmen durchgängig festgelegter Strukturen und eindeutiger Verantwortlichkeiten. In der Kursstufe des Gymnasiums wird insbesondere die Studienorientierung verankert.
Die Berufsberatung der Agenturen für Arbeit und die weiteren Partner aus Kammern und Verbänden der Wirtschaft, der Sozialpartner, der Unternehmen, der Hochschulen, kommunaler Institutionen und Träger unterstützen die Schulen bei Planung, Gestaltung und Umsetzung der Beruflichen Orientierung.
2.5 Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt (LDW)
Digitalisierungsprozesse und technologische Innovationen sind heute tiefgreifender Bestandteil des gesellschaftlichen und individuellen Alltags. Sie verändern nachhaltig, wie Menschen kommunizieren, lernen, arbeiten und sich in der Welt orientieren. Die Schule hat daher auch die Aufgabe, Lernende auf eine selbstbestimmte und kritisch reflektierte Mitgestaltung an einer immer stärker digital geprägten Gesellschaft vorzubereiten sowie digitale Medien für ihre Lernprozesse bewusst auszuwählen. In diesem Aufgabenfeld ist es das Ziel, junge Menschen zu digitaler Resilienz und aktiver Teilhabe zu befähigen – damit sie technologische Entwicklungen verstehen, reflektieren und im Sinne einer demokratischen Gesellschaft mitgestalten können.
Die Leitperspektive verfolgt das Ziel, überfachliche digitale Kompetenzen systematisch aufzubauen und weiterzuentwickeln sowie die umfassende Persönlichkeitsbildung im digitalen Zeitalter in den Mittelpunkt zu stellen. Das Fach Informatik und Medienbildung hingegen legt den Fokus auf konkrete fachliche Inhalte, fungiert dabei als Leitfach und bietet verlässliche Ausgangs- und Anknüpfungspunkte für fachspezifische Vertiefungen in anderen Unterrichtsfächern.
Die Leitperspektive eröffnet Raum für eine fachspezifische Umsetzung digitaler Kompetenzen in allen Fächern und fördert zugleich eine Haltung, geprägt von kritischer Reflexion, Wertschätzung und demokratischer Verantwortung sowie Zivilcourage auch im digitalen Raum. Diese Haltung umfasst auch das Verständnis, dass digitale Technologien sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft Prozesse und Strukturen handhabbarer machen und dabei unterstützen können, Herausforderungen kreativ, effizient und kooperativ zu bewältigen.
Grundlegende sprachliche und mathematische Kompetenzen sind dabei Voraussetzung für das Erlernen digitaler und zukünftiger Schlüsselkompetenzen. Gleichzeitig bieten digitale Medien neue Potenziale für den Erwerb eben dieser Basiskompetenzen und eröffnen innovative Zugänge zu fachlichem Lernen und individueller Förderung.
Die sechs Verankerungsbegriffe konkretisieren sich wie folgt:
- Die Medien und Mediengesellschaft analysieren, reflektieren und mitgestalten
(ehemals: Mediengesellschaft und Medienanalyse)
Lernende analysieren und bewerten Medien kritisch, reflektieren deren Einfluss auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und entwickeln ein bewusstes, verantwortungsvolles Medienverhalten, mit der sie die Transformation aktiv, werteorientiert und demokratisch mitgestalten können. Sie erkennen die Potenziale der Digitalisierung für Teilhabe und Mitgestaltung.
- Informationen sammeln, verstehen und bewerten
(ehemals: Information und Wissen)
Lernende recherchieren gezielt Informationen, indem sie ihre Suchinteressen definieren, geeignete Strategien entwickeln und digitale sowie KI-gestützte Werkzeuge nutzen. Sie analysieren und bewerten die gefundenen Daten sowie deren Quellen kritisch und reflektiert. Die Lernenden denken über Inhalte, Kontexte und Wirkungen nach und leiten daraus begründete Entscheidungen oder Handlungen ab – sei es im Alltag, in der Schule oder im gesellschaftlichen Diskurs.
Abschließend speichern, strukturieren und organisieren sie die Informationen, so dass ein sicherer und effizienter Zugriff – auch mithilfe von KI – möglich ist.
- Im digitalen Raum kommunizieren, kooperieren und gemeinsam handeln
(ehemals: Kommunikation und Kooperation).
Lernende kommunizieren und kooperieren im digitalen Raum respektvoll und zielgerichtet, indem sie geeignete Kommunikationsmittel – auch KI-gestützte – situationsgerecht einsetzen. Sie teilen Informationen verantwortungsvoll, arbeiten gemeinsam mit digitalen Tools an Inhalten und beachten dabei ethische, kulturelle und kommunikative Regeln. Zudem nutzen sie digitale Dienste aktiv, bringen eigene Medienerfahrungen ein und beteiligen sich selbstbestimmt an gesellschaftlichen Prozessen. Die Lernenden übernehmen gemeinsam Verantwortung für Projekte, Lernprozesse oder gesellschaftliches Engagement – über analoge und digitale Räume hinweg.
- Digitale Produkte entwickeln, gestalten und präsentieren
(ehemals: Produktion und Präsentation)
Lernende entwickeln eigene Inhalte – kreativ, technisch fundiert und zielgruppengerecht mithilfe vielfältiger technischer und auch KI-gestützter Werkzeuge. Sie planen, produzieren und teilen Inhalte in unterschiedlichen Formaten und präsentieren ihre Ergebnisse wirkungsvoll und adressatengerecht in schulischen oder öffentlichen Kontexten. Dabei achten sie auf Urheberrecht, Lizenzen und Persönlichkeitsrechte.
- Im digitalen Raum verantwortungsvoll handeln sowie sich und andere schützen
(ehemals: Jugendmedienschutz, informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz)
Lernende agieren sicher, datenschutzkonform und verantwortungsbewusst im digitalen Raum, erkennen Risiken für sich und andere und gehen verantwortungsvoll mit ihnen um im Sinne des Jugendmedienschutzes und der informationellen Selbstbestimmung. Sie schützen ihre Daten sowie ihre Privatsphäre und achten auf Gesundheit, soziales Wohlbefinden und Nachhaltigkeit beim Einsatz digitaler Technologien.
- Digitale Werkzeuge, Problemlösestrategien und algorithmisches Denken für das eigene Lernen nutzen
(ehemals: Informationstechnische Grundlagen)
Lernende erkennen digitale Probleme, wenden digitale Werkzeuge zielgerichtet an – auch KI-gestützte –, um Herausforderungen zu analysieren und kreative, nachhaltige Lösungen zu entwickeln – allein oder im Team, fachbezogen oder fächerübergreifend. Sie entwickeln kreative Lösungsstrategien, verbessern ihre Lernprozesse gezielt, nutzen algorithmisches Denken und bauen ihre Medienkompetenz systematisch aus.
2.6 Verbraucherbildung (VB)
Kinder und Jugendliche werden in ihrem Alltag mit vielfältigen Konsumentscheidungen konfrontiert. Der Einfluss von Medien, insbesondere die Vielfalt von Werbeangeboten, spielen hierbei eine große Rolle. Hinzu kommen der Einfluss von Gleichaltrigen, die Suche nach Identität sowie der Wunsch nach Abgrenzung.
Die Leitperspektive Verbraucherbildung ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, sich alters- und entwicklungsgemäß mit individuellen und kollektiven Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Die Thematisierung von unterschiedlichen und oftmals kontroversen Standpunkten sowie das häufig ungleichgewichtige Experten-/Laienverhältnis beim Erwerb und der Nutzung von Waren und Dienstleistungen sind zentrale Elemente der Verbraucherbildung.
Die Leitperspektive zeigt Handlungsspielräume für das Individuum auf und fördert den Erwerb und Ausbau von Handlungskompetenzen. Schülerinnen und Schüler sollen dazu befähigt werden, als kritische und mündige Verbraucherinnen und Verbraucher reflektiert Konsumentscheidungen zu treffen. Die Schülerinnen und Schüler erweitern zugleich kontinuierlich ihr Wissen über ihre Rechte als Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Leitperspektive umfasst alle Konsumbereiche. Zentral sind insbesondere folgende Themenfelder: Ressourcen, Finanzen, Verbraucherrecht, Lebensführung (Körperbild, Ernähren, Kleiden, Wohnen, Gesundheit), Medien, Information und – übergreifend – nachhaltiger Konsum. Sie greift damit auf vielfältige Weise Themen aus dem Leben der Schülerinnen und Schüler auf.
Die Leitperspektive Verbraucherbildung trägt zu einer selbstbestimmten, verantwortungsvollen und gesundheitsförderlichen Lebensführung bei.